"Stolz fiel unser Blick ins zurückliegende Tal, schweifte über die schroffen Berggipfel am Horizont, und ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit machte sich breit. Genau so hatten wir uns unsere kleine Auszeit in den Bergen vorgestellt."
Lysann Weber berichtet euch in ihrem Beitrag von ihren Erlebnissen und atemberaubenden Wanderungen im Montafon.
An den längsten Tagen des Jahres, bei bestem Kaiserwetter haben wir unsere Wanderschuhe geschnappt und begaben uns mitten rein ins Montafon, liefen gemütliche Waldwege im Silbertal, genossen fantastische Aussichten auf dem schweißtreibenden Madrisella-Gipfelweg und begegneten pfeifenden Murmeltieren zwischen tiefblauen Bergseen und mit Wildblumen übersäten Alpwiesen auf der Seetalwanderung am Hochjoch.
Die Sonne brannte schon hoch am Himmel, weit und breit war kein Wölkchen zu sehen und das Thermometer kletterte auf über 30 Grad – so entschieden wir uns zum Auftakt unseres dreitägigen Aufenthaltes im Montafon für eine entspannte Tour auf schattigen Waldwegen entlang des rauschenden Wildbaches Litz:

Los geht’s beim Felsa-Parkplatz nahe der Freilichtbühne am Ende des Dorfes Silbertal. An der Quelle gleich hinter der Brücke kühlten wir noch einmal unsere Hände und füllten die Wasserflaschen mit frischem Bergquellwasser auf. Dann starteten wir unsere Tour taleinwärts der Litz folgend durch das geheimnisvolle Silbertal. Interaktive Stationen säumen diesen für die ganze Familie geeigneten Erlebnispfad. Doch am meisten faszinierten uns die dicht mit Farn und Wildblumen bewachsenen Waldabschnitte, der beeindruckende Teufelsbacher Wasserfall und die bunten Blumen am Wegesrand. Auf schattigen Wegen entflohen wir der Hitze, konnten uns nicht sattsehen an dieser urwaldgleichen Natur – wie wundervoll leuchteten all die unterschiedlichen Grüntöne?!
Schließlich machten wir es uns auf den Hängematten am Weg gemütlich, balancierten über die zwischen Bäumen gespannte Slackline, passierten eine Steinmännle-Versammlung am Ufer der Litz und erreichten nach einem entspannten Fußmarsch die Almhütte Fellimännle. Während wir unsere Brettljause und die frisch gebratene Forelle aus dem hauseigenen Teich im urigen Ambiente des Fellimännle-Gasthauses genossen, knabberte ein heimisches Eichhörnchen genüsslich an einer Nuss. Wie idyllisch kann ein Ort sein?
Ein plötzlich einbrechendes Gewitter verlängerte unsere Pause eher unfreiwillig, doch ließen wir es uns bei leckerem Kaiserschmarren mit Apfelmus gut gehen und beobachteten, dankbar, im Trockenen zu sitzen, fasziniert das Naturschauspiel aus Regen und Sonne. Frisch gestärkt machten wir uns auf den Rückweg durch die von Regentropfen übersäte, noch grüner leuchtende Natur. Herrlich! Noch ein kurzes Bad in der kühlen Litz – und glücklich grinsend erreichten wir den Ausgangspunkt unserer Halbtagestour. Ein perfekter Auftakt für unsere kleine Auszeit im Montafon.
Eine Gipfeltour, atemberaubende Ausblicke und ein anspruchsvoller Wanderpfad sollte das Motto unserer Tagestour zum Madrisella am folgenden Tag sein – das wir dabei eher unfreiwillig noch ein paar Höhenmeter on top gelaufen sind, weil wir fälschlicherweise in Richtung Klettersteig abgebogen sind und sich am Ende auch noch die Schuhsohle vom gut eingelaufenen Wanderschuh löste, war jedoch nicht geplant ;). Doch von vorn:
Voller Euphorie auf unsere bevorstehende Tour sind wir an der Bergstation der Versettla Bahn nicht den Pfeilen nach links gefolgt, sondern gleich zu beginn fälschlicherweise rechts zum Klettersteig Burg abgebogen – ein Fehler, der uns schnell einholte. Den kleinen Pfad zum Klettersteig hinaufkraxelnd, die Aussicht genießend und den Paraglidern zuschauend, standen wir schon bald mit Schweißperlen auf der Stirn am Fuß des Klettersteigs. Dort mussten wir einsehen: Ohne Ausrüstung blieb uns nur der Rückweg.
Zurück am Ausgangspunkt führte uns der Weg zunächst über ein Steinfeld zur Versettlaspitze. Die fantastische Weitsicht auf das vor uns liegende Bergpanorama genießend, schmeckte uns hier unser Frühstücksbrot – erst recht nach der ersten ungeplanten Herausforderung – besonders gut. Energiegeladen ging es dann entlang des leicht auf- und absteigenden Matschuner Gratwegs auf die Madrisella. Die Sonne stand schon im Zenit, als wir das mit Himalaya-Fähnchen geschmückte Gipfelkreuz auf der 2466 Meter hohen Madrisella erreichten: welch’ atemberaubende Aussicht auf die Silvretta-Gipfel!
Doch hatten wir erst ein Drittel des Weges zurückgelegt und die Zeit saß uns im Nacken: 17 Uhr fuhr die letzte Bahn zurück ins Tal. Also blieb nicht viel Zeit zum Durchatmen und wir liefen weiter über Schneefelder durch das Matschuner Joch am Serressee vorbei. Begleitet von rauschenden Gebirgsbächen stiegen wir den schmalen, steinigen Weg hinab und schon bald breitete sich das wunderschöne blumenübersäte Novatal mit der Alpe Nova vor uns aus.
An der Alpe angekommen (und den Verlust einer Schuhsohle verzeichnend), stärkten wir uns mit Sura Kees-Brot und frisch gebackenem Kuchen für den letzten Aufstieg – 30–45 Minuten, relativ steil, über einen breiten, nicht sonderlich schönen Weg – zurück zur Bergstation. Fix und fertig plumpsten wir nach dieser abwechslungsreichen und absolut lohnenswerten Tour auf die Bank der Seilbahn und ließen uns glückselig nach unten ins Tal gondeln.
Nach der anstrengenden Madrisella-Tour steckte uns die Müdigkeit noch in den Knochen. Also entschieden wir uns am folgenden Tag für den etwas entspannteren Seetalweg am Hochjoch:
Oh, war die Freude groß: auf unserer heutigen Tour sollte es nur bergab gehen. Doch erst einmal mussten wir hinauf – diesmal jedoch ganz entspannt mit der Hochjochbahn. Oben angekommen, machten wir es uns auf einer der letzten Fahrten vor der Mittagspause im Sessellift der Sennigrat Bahn bequem, schwebten über grasende Kuhherden und ließen uns die frische Bergluft um die Nase wehen. Blauer Enzian und gelbe Trollblumen säumten unseren kurzen Weg zur Wormser Hütte. Wir hatten zwar gerade erst gefrühstückt, aber frische Knödel wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Glücklich vollgefuttert machten wir uns schließlich auf den Weg in das idyllische Seetal.
Schon nach wenigen Metern lag er vor uns – der im Sonnenlicht türkis leuchtende Herzsee. Schnell hinabgestiegen, verbrachten wir sicher eine Stunde damit, die zahlreichen Kaulquappen zu beobachten und die Füße in den – auf gut 2200 Metern Höhe gelegenen – doch noch recht frischen Bergsee zu halten. Auf dem Weg zum tiefblauen Kälber- und Schwarzsee passierten wir ein Steinfeld, aus dem ganz unverhofft zwei Murmeltiere herausgeklettert kamen und uns neugierig musterten.
Wir liefen weiter durch saftige Almwiesen und landeten schließlich auf einem schmalen Pfad, der von großen Farnflächen gesäumt war und imposante Ausblicke in die Täler des Montafon bot. Wieder verloren wir uns im Erkunden all der Blumen, Sträucher und wunderschönen filigranen Farnspitzen bis wir mit einem Blick auf die Uhr feststellten, dass die letzte Bergbahn schon bald hinunter ins Tal fuhr und wir uns langsam auf den Heimweg machen mussten.
Beseelt von einer weiteren schönen Halbtagestour im Montafon und von der Sonne erhitzt, freuten wir uns auf eine kurze Abkühlung in der Ill, bevor wir den Abend begleitet vom Grillenzirpen am Lagerfeuer beim Cabinski ausklingen ließen.

















