"Das Montafon formt den Charakter" – Das bekamen wir von Tim, einem der Cabinski-Gründer, am Telefon spaßeshalber zu hören. Und ja, nach fünf Tagen dort verstehen wir ihn. Spoiler alert: Ich – Theresa, Gravelmaus auf absoluter Hobbybasis – bin aber an meine Grenzen gekommen.
Als wir unseren Cabinski-Aufenthalt im Juli geplant haben, war schnell klar, dass wir unsere Gravelbikes mitnehmen möchten. Wir wollten nicht nur in den Bergen sein und die Aussicht genießen – wir wollten sie uns auch ein bisschen erarbeiten. Falls ihr das auch wollt: Wir haben euch unsere Komoot-Routen unten zum Runterladen verlinkt.
Schon beim ersten Betreten der Cabin kam dieses Gefühl auf, das man sich für einen Urlaub wünscht – ein wohliges Gefühl, das sich anfühlt wie heimkommen. Selbst eine handgeschriebene Karte für Marvin, der an diesem Tag Geburtstag hatte, lag auf dem Tisch. Eigentlich hätten wir uns auf die Terrasse setzen und den ersten Abend gemütlich ausklingen lassen können. Aber wir hatten beide natürlich instant FOMO und wollten sofort los – unsere Fahrräder waren schließlich nicht umsonst dabei. Marvin hatte die erste Komoot-Route bereits auf dem Fahrradcomputer, wir zogen uns schnell um, füllten die Flaschen und los ging's. Ziel: der Sauerbleis auf knapp 1.980 Metern mit dem Seebligasee. Den herzförmigen See direkt am Hochjoch wollten wir uns für eine andere Tour aufheben – zumindest war das der Plan, dazu gleich mehr.
Bei 35 Grad (hehe) rollten wir erstmal ganz entspannt Richtung Schruns. Schon auf den ersten Metern war klar: Hier kommen wir wieder hin. Schruns ist ein kleines, gemütliches Städtchen mit bunten Blumen an den Fenstern und wundervollem Bergpanorama. Irgendwie schien es fast so, als würde sich das Leben hier auf 0,75 Geschwindigkeit abspielen.
Aber wir hatten ja was anderes vor: knapp 1.400 Höhenmeter auf 10 Kilometern. Rund sieben davon über groben Schotter. Während Marvin relativ entspannt hochkurbelte, merkte ich bei 18 Grad Steigung schnell, wie fordernd diese Tour sein kann. Nach einer kurzen Pause und ein paar Gummibärchen erinnerte ich mich an mein Ziel: in den See springen. Auch wenn sich später herausstellte, dass es gar kein klassischer Bergsee zum Baden ist, sondern ein angelegter Stausee – in diesem Moment war das vollkommen egal.
Oben angekommen war die Sonne schon deutlich tiefer, der Himmel leicht orange eingefärbt und die ganze Anstrengung vergessen. Wir hatten diesen Ort fast komplett für uns allein. Selbst auf dem ganzen Weg nach oben waren wir nur einem Pärchen auf E-Bikes begegnet. Oben angekommen sorgten aber Kühe mit ihren Glocken für das absolute Bergfeeling. Wir fuhren kleine Schotter-Pisten über den Bergrücken und als ich dachte, schöner kann es nicht werden, kamen sie: unendlich viele Murmeltiere. Ihre Rufe hallten über die Hänge, sie jagten sich gegenseitig über die Wiesen und verschwanden zwischen den Steinen. Wir freuten uns wie kleine Kinder – vor allem, weil ich vorher noch nie Murmeltiere live gesehen hatte. Ich war so begeistert, dass ich noch nicht mal ein Foto gemacht habe, wie mir im Nachhinein ganz traurig aufgefallen ist.
Als wir am Abend an der Cabin ankamen, war ich gut erschöpft und gleichzeitig unglaublich glücklich. Ein Gedanke hatte mich allerdings seit ein paar Tagen schon begleitet: Durch meine Zöliakie* ist Essen normalerweise mit Stress und Planung verbunden. In Unterkünften muss ich darauf achten, dass nichts verunreinigt ist, was meistens bedeutet: eigenes Besteck und Brettchen mitnehmen, alles spülen und so weiter. Umso schöner war es, hier anzukommen und zu merken, wie unfassbar sauber alles war. Sowas habe ich noch nie erlebt. Ich konnte ankommen und einfach loskochen. Für andere völlig normal, für mich das größte Glück. An alle Menschen mit Zöliakie oder Glutenintoleranz: Cabinski ist Zöliakie-approved! Wir kochten, aßen und ließen den Abend entspannt ausklingen. Kulinarisch verfolgten wir in den nächsten Tagen eine klare Linie: Vier Tage lang Vollkorn-Reisnudeln mit Pesto. Kein Scherz.
*Zöliakie ist eine Autoimmunkrankheit bei welcher der Körper Gluten fälschlicherweise als Gefahr einstuft und greift die eigene Darmschleimhaut an.
Nach dieser Tour war für mich klar: Heute brauche ich einen ruhigen Tag. Marvin wollte das Hochjoch noch einmal von einer anderen Seite fahren. Und dieses Mal ganz nach oben, sein Ziel war der herzförmigen See, den wir uns schon vorher rausgesucht haben.
Ich hingegen hatte eine konkrete Vorstellung vom perfekten entspannten Tag: Kaffee auf der Terrasse, lesen, Blick in die Natur, kein Handy. Gerade als Social Media Managerin verbringe ich so viel Zeit online – diese fünf Tage sollten meine digitale Pause sein. Und die Terrasse hätte dafür nicht besser sein können. WELL. Statt mit Buch auf der Terrasse lag ich mit Chips im Bett und schaute vier Folgen einer anspruchslosen Coming-of-Age-Serie hintereinander. Und ehrlich gesagt? Ich würds immer wieder machen.
Vielleicht ist das die wichtigste Erinnerung aus so einem Urlaub: Man muss nicht immer die perfekte Version von Erholung leben. Nicht jeden Morgen Yoga, meditieren oder lesen, nur weil es auf Social Media schön aussieht. Die Cabin bietet natürlich alles dafür – von der Yogamatte bis zu den allerschönsten Plätzen draußen. Aber Chips im Bett? Ist genauso toll!
Am Nachmittag kam Marvin mit salzigem Radtrikot und ordentlich Hunger zurück. Wir aßen unseren Montafon-Klassiker (natürlich die Reisnudeln) und er erzählte mir von seiner Tour. Die letzten zwei Kilometer war er laufend mit dem Rad auf der Schulter unterwegs.
Die Fotos waren legendär und ich war ein bisschen neidisch auf das Panorama, welches er da oben hatte. Deswegen sind wir am nächsten Morgen nochmal aufs Hochjoch – YAY! Dieses Mal ohne sportlichen Ehrgeiz, sondern mit der Hochjochbahn. Oben fragten wir uns, wie die Aussicht von den Bergen gegenüber wohl aussieht. Also ging es danach direkt mit dem Sessellift Richtung Garfrescha. Allein das war schon eine großartige Erfahrung. Wenn ihr also mal einen Tag habt, an dem Radfahren nicht sein muss: Kauft euch ein Tagesticket und macht Seilbahnhopping.
Für nächsten Tag hatten wir wieder eine Tour geplant: Eine entspannte Runde entlang der Ill, die durch das komplette Tal fließt – kaum Höhenmeter, einfach ein bisschen Graveln und die Landschaft genießen. Direkt von der Cabin konnten wir auf einen wunderschönen Trail entlang des Flusses starten. Unser Tipp: Wer diese Strecke fahren möchte, sollte früh morgens oder spät nachmittags starten – tagsüber sind viele Familien unterwegs.
Wichtiger Hinweis: Auf mehreren Teilen dieser Strecke ist Fahrradfahren verboten. An diesen Abschnitten müsst ihr absteigen und das Fahrrad schieben. Plant entsprechend Zeit ein!
Bei uns hat das Wetter allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es regnete und ein Gewitter zog auf, deswegen wechselten wir auf die Straße, was problemlos ging. Und plötzlich standen wir am Fuße des Berges Kops. Wir haben uns kurz angeguckt und waren uns einig, dass wir nur ein paar Serpentinen testweise fahren. Ihr könnt euch denken, was passiert ist.
Es ging auf Asphalt hoch hinaus. Von unten bis zum Kops-Stausee kamen knapp 800 Höhenmeter zusammen. Und ich sage es euch: die hatten es teilweise echt in sich und dass obwohl es dieses Mal nicht einmal Schotter gab.
Auf halber Strecke kamen wir durch einen kleinen Ort, durch den der Verwallabach fließt – das war wie eine Märchenkulisse, kein Spaß! Ich habe ständig nur gesagt, wie schön es ist. Ein paar Kilometer weiter waren wir nun so hoch, dass wir die Staumauer des Kops-Stausees sehen konnten. So in den Berg gebaut, dass sie fast unwirklich wirkt. Oben machten wir Pause, fuhren auf der Staumauer herum und genossen die Aussicht. Dann ging es wieder zurück ins Tal zur Cabin, wo natürlich wieder die Reisnudeln warteten. Und unser Hundepuzzle, welches wir zuvor in dem süßen kleinen Einkaufszentrum in Schruns gekauft hatten.
Unser letzter Tag war wahrscheinlich der ruhigste. Kein großer Plan – wir wollten nur die Gegend und kleinen Orte kennenlernen. Also sind wir spontan mit dem Auto zum Bartholomäberg gefahren, haben uns auf eine Bank gesetzt und die Aussicht genossen.
Wir sprachen über die Tage und merkten, wie viel passiert war. Berge hochgefahren, bei denen ich nicht sicher war, ob ich oben ankomme. Einen Sonnenuntergang allein erlebt. Murmeltiere beobachtet. Neue Orte entdeckt. Festgestellt, dass man vier Tage hintereinander dasselbe essen kann, wenn die Umgebung stimmt. Aber vor allem: dankbar gewesen.
Danke von Herzen an das ganze Cabinski-Team, dass ihr uns diese Tage ermöglicht habt. Wir sind uns sicher, dass dies nicht unser letzter Besuch bei euch gewesen ist. ❤
Hier sind die Routen, die wir im Montafon gefahren sind – je nachdem, wie viel Höhenmeter und Anspruch ihr euch zutrauen wollt:
1.400 Höhenmeter, 7 km Schotter – Wer Graveln im Montafon wirklich erleben will
Für alle, die wissen möchten, wie intensiv Graveln sein kann: Diese Route zeigt, warum das Montafon den Charakter formt. Mit knapp 1.400 Höhenmetern auf nur 10 Kilometern ist diese Tour anspruchsvoll – wer ambitioniert graveln möchte, kommt hier schnell in forderndes Gelände, das gehört zu den Bergen einfach dazu.
Marvins Hochjoch-Überquerung – Die Gewaltrunde
Eine Gewaltrunde für alle, die sich mal wieder spüren wollen und es nicht schlimm finden, das letzte Stück zu laufen. Auch hier zeigt sich: Ambitioniertes Graveln im Hochgebirge ist echte Arbeit!
Entlang der Ill zum Stausee Kops – Märchenhaft schön und entspannter erlebbar
Durch märchenhafte Landschaften bis hoch auf die Staumauer – und das mit deutlich weniger Höhenmetern. Hier könnt ihr die Region auch entspannter erkunden, wenn ihr die Dörfer und Wege im Tal lieber in gemächlicherem Tempo erkunden möchtet.
⚠ Wichtig: Auf mehreren Teilen dieser Strecke ist Fahrradfahren verboten. An diesen Abschnitten müsst ihr absteigen und das Fahrrad schieben. Bitte plant entsprechend Zeit ein!









