MONTAFON
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JOURNAL

A Weekend of Letting Go

by Antonia Bittmann

Ein Wochenende lang loslassen. Den Kopf frei bekommen, die Bergluft genießen und den Alltag für ein paar Tage vergessen. Antonia und Paula waren im Juni bei uns im Montafon zu Gast und berichten von ihrer Auszeit in den Bergen, kleinen Momenten der Ruhe und dem Gefühl, wieder bei sich selbst anzukommen.

A Weekend of Letting Go

Wie funktioniert ein Wochenende in den Bergen, auf das man sich nicht vorbereitet hat, wie ursprünglich geplant? Manche Situationen funktionieren spontan am besten und man weiß direkt, dass man am richtigen Ort dafür ist. Unser Wochenende in Montafon lag zwischen intensiven Arbeitswochen und vielen Ortswechseln. Die Tage davor sind wie im Flug vergangen, was nicht so viel Zeit zur Planung gelassen hat, wie ich mir gewünscht hätte. Auto last minute gepackt, Wanderequipment nicht mal im entferntesten vollständig, direkt von der Arbeit los — das war unsere Ausgangslage. Eigentlich genau das Gegenteil von dem, was ich sonst liebe: Vorbereiten, planen, Vorfreude auskosten. Und vielleicht war genau das der Grund, warum sich dieses Wochenende so nach Loslassen angefühlt hat.

Ankommen wie Zuhause

In Montafon angekommen war da wieder dieses vertraute Gefühl, sobald wir unsere Cabin aufgeschlossen haben: Der Geruch von frischem Holz, Tau auf dem Gras vor der großen Glastür, Licht, das sich durch die Wolken am Berg durch die Fensterfront der Cabin bricht und den Raum füllt. Nichts fehlt im Raum, nichts ist zu viel. Vertrautheit schafft tiefe Ruhe. Paula und ich haben uns gefühlt, als hätte uns jemand wie Spielfiguren in eine andere, surreal schöne Welt gesetzt. Paula hatte bis zu dem Zeitpunkt die letzten Monate auf Lanzarote verbracht, ich war kaum länger als drei Tage an einem Ort und mit dem Meer sind wir vertrauter als mit den Höhen und Tiefen der Berge. Noch im Eifer des Gefechts der letzten Tage konnten wir erstmal keine Sekunde still sitzen und haben mit einem kleinen Spaziergang durchs Dorf unsere neue Umgebung erkundet. Endlich mal keine Pläne zu machen, nicht nach der perfekten Route zu suchen und sich ein bisschen treiben zu lassen hat sich angefühlt, wie ein kleiner Luxus: Einfach nur jeden Eindruck der Umgebung aufsaugen.

Dem Flow die Pläne überlassen

Die Beständigkeit, die die Berge ausstrahlen und die endlosen Wiesen, auf denen man den Blumen beim Wachsen förmlich zusehen kann, haben uns aber direkt in die Realität geholt. Ein Ort, an dem die Zeit auf eine gute Art und Weise still zu stehen scheint. Fokus auf das, was jetzt da ist. Nach einem kurzen Regenschauer der tief hängenden Wolken haben wir uns auf den Rückweg zu unserer Cabin gemacht mit einem kleinen Abstecher über den Hofladen nebenan, um frischen Käse und Eier zu besorgen. Beim gemütlichen Abendessen haben wir uns ein ausführliches Lifeupdate gegeben und mal wieder festgestellt, dass sich wirklich alles fügt, wie es soll: Spontan haben wir herausgefunden, dass in der Cabin direkt nebenan sogar Freunde von uns wohnen, was uns noch mehr das Gefühl gegeben hat, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. :) Natürlich hatten wir alle unabgesprochen die gleiche Idee für den nächsten Tag: Zum Hochjoch zu fahren und die Gegend erkunden.

Ein Tag auf dem Hochjoch

Den nächsten Morgen haben wir sehr entspannt gestartet, haben etwas Proviant, ganz optimistisch Badesachen und viele Kameras für den Tag auf dem Berg in eine Tasche geworfen und ausgiebig gefrühstückt. Zu unserem Glück haben sich auch die Wolken des Vortags verzogen und wir waren vom Anblick der Gipfel so begeistert, dass wir auf dem sehr kurzen Weg mit dem Auto zur Bergbahn Hochjoch direkt einige Male falsch abgebogen sind — aber was ist schon Zeit?

Wir hatten nur ein Ziel für den Tag: In einen eiskalten Bergsee springen und den Rest auf uns zukommen zu lassen. Denn wie funktioniert sonst Loslassen, Offenheit und Weitsicht, wenn man sich immer nur auf feste Pläne im Kopf versteift? Wir wollten den Blick schweifen lassen und unsere Augen wieder an die Weite des Horizonts gewöhnen.

An der Talstation waren alle bester Laune, da wir mit unserer Tour genau den Tag der Saisoneröffnung erwischt haben. Zwei fürsorglich-fröhliche Mitarbeitende haben uns mit passenden Tickets für die Gondel ausgestattet und uns die Wanderroute des Seewegs ans Herz gelegt — drei verschiedene Bergseen, genug Auswahl für einen kleinen Eiswasser-Dip.

In der Gondel haben Paula und ich mit den anderen um die Wette gestrahlt und keinen Blick von der Bergkette abgewendet. Erst jetzt ist uns die schiere Unendlichkeit des Bergpanoramas bewusst geworden und wir haben uns gefragt, wie viele Menschen auf der Welt wohl jemals das Privileg haben, einen Gipfel sehen zu dürfen. Mit jedem Höhenmeter haben wir die Anspannung der letzten Wochen ein Stück mehr vergessen. Oben angekommen haben wir uns einfach nur von den Schildern der Wanderroute leiten lassen, ohne auch nur einmal einen Blick auf einen Bildschirm werfen zu müssen.

Die Route selbst war ein Traum: Vorbei an einer Kuhweide, einem Stausee und durch einen kühlen Tunnel, in dem wir schon in mit den Sneakern in der ein oder anderen Eisfläche stecken geblieben sind, vor denen wir in Anbetracht unserer nicht so soliden Ausrüstung sanft gewarnt worden sind. Natürlich haben wir vollkommen die Zeit vergessen, haben an jeder Ecke zum Fotografieren angehalten, sprachlos die Aussicht genossen oder haben konzentriert kleine Schnee-Patches überquert, bis wir am obersten See unserer Tour angekommen sind: dem Herzsee, der von der Anhöhe am Berg tatsächlich an die Form eines Herzens erinnert. Hier oben lag mehr Schnee als gedacht und der Wind hat uns nicht gerade in Badestimmung versetzt. Spontan sind also wieder einige Meter bergab gelaufen, wo wir auch Tim und Marie, unsere Cabin-Nachbarn, getroffen haben.

Gemeinsam haben wir beschlossen, es mit einem kleinen Sprung in den Schwarzsee zu versuchen, der abgesehen von einigen letzten Eisschollen absolut klar und einladend aussah. Nach einer kleinen Pause dort, in der wir uns nochmal von der Juni-Sonne haben aufwärmen lassen, haben wir’s tatsächlich gaaanz kurz in den See geschafft und festgestellt: So ein Eisbad ist mit Vorsicht zu genießen und setzt absolut alle Gedanken einmal auf Null - Instant-Reset, sozusagen.

Lachend, zitternd, aber wahnsinnig wach und glücklich haben wir uns die Sonne auf die Gänsehaut scheinen lassen (Reminder für das nächste mal: mehr SONNENCREME) und haben uns vorbei an wunderschönen Hängen und ersten Blumenwiesen wieder auf den Rückweg gemacht, um an der Bergstation eine Kleinigkeit zu essen und ein kühles Bergbier zu genießen. Gerade haben wir uns noch darüber unterhalten, wie gut der Tag ohne zu viel Planung und Koordination, lediglich mit genug Ruhe und Vorsicht für die Wanderwege, funktioniert hat, da haben uns auch schon ein paar Murmeltiere begrüßt — besser hätte es wirklich nicht laufen können.

Nach unserem Snack an der Bergstation und ausgiebiger Evaluation der Sonnenbrand-Intensität waren wir glücklich, einfach nur in die Gondel steigen zu können und uns in der Cabin nach einem langen Tag ausruhen zu können. Gegen Abend saßen wir zusammen an der großen Feuerschale im Cabinski-Innenhof und haben das Lagerfeuer-Feeling genossen. Nach den schier endlosen Stunden Licht und Sonne hat sich irgendwann der klare Sternenhimmel über uns ausgebreitet und das Feuer ist langsam ausgegangen.

Loslassen vom Perfektionismus

Ohne Wecker und Pläne, aber dafür mit einem sehr frühen Sonnenaufgang, waren wir recht zeitig wach. Die ersten Sonnenstrahlen sind durch das große Dachfenster aufs Bett gefallen und morgens etwas im Bett liegen bleiben zu können, ohne direkt über den nächsten Task nachdenken zu müssen, hat sich großartig angefühlt. Spontan haben wir entschlossen, vor dem Frühstück noch einen Spaziergang zum Fluss im Dorf zu machen und haben uns einige Minuten später das Eiswasser zum Aufwachen über die Füße spülen lassen. Zurück in der Cabin haben wir nochmal einen großen Frühstückstisch gezaubert und in der Sonne gefrühstückt, bevor wir uns langsam für die Rückfahrt ready gemacht haben.

Vielleicht liegt es an den langen Tagen kurz um die Sommersonnenwende, der Helligkeit, die viel Raum für positive und freie Gedanken lässt, vielleicht war es auch das Loslassen vom Perfektionismus und ein bisschen Planlosigkeit.

An diesem Wochenende haben wir gemerkt, wie sich viele Dinge, auch außerhalb unserer friedlichen cabinski-Bubble, ganz natürlich fügen, wenn man von starren Plänen loslässt und die Zeit vergisst. Einige Stressfaktoren fühlen sich weit entfernt und etwas unwichtiger an und viele Probleme werden sogar ein kleines bisschen egal, wenn man das große Ganze betrachtet.

Danke von Herzen an cabinski, dass ihr uns die Zeit ermöglicht habt <3.